Car—Sharing mit Elektroautos auf dem Land – Dritter Energiestammtisch als Exkursion nach Füßbach

Car-Sharing? Mit Elektroautos? In Schnelldorf? „Es kann nur klappen!“ lautete am 24. Januar der motivierende Ausblick. Und vielleicht stehen in einigen Ortsteilen der Gemeinde bald tatsächlich Elektroautos bereit, die dann gemeinsam von den Einwohnern genutzt werden. Um die Umwelt und den eigenen Geldbeutel zu schonen und den hier erzeugten erneuerbaren Strom selber zu nutzen. Aber auch um die eigene Mobilität für kurze Distanzen zu verbessern, was gerade im ländlichen Raum ja ein großes Problem ist.

Das dafür passende Anschauungsbeispiel zeigte der dritte Energiestammtisch, der diesmal als Busexkursion nach Kupferzell-Füßbach in den benachbarten Hohenlohekreis führte. Knapp 40 Teilnehmer schauten sich im dortigen Metallverarbeitungsbetrieb ein innovatives Car-Sharing-Projekt an, das frei nach Füßbach „eFüßle“ genannt und ausschließlich (100 Prozent!) mit Elektroautos betrieben wird. Der dortige Chef Heinz Müller, der Initiator und Betreiber der Biogasanlage Thomas Karle und das Vereinsmitglied Werner Kistner gaben den Teilnehmern wichtige Tipps mit auf den Weg, um im ländlichen Raum „Lust auf was Neues, Innovatives“ zu machen. Bereits am 21. Februar will man daher in Schnelldorf wieder zusammenkommen und dann pro Ortsteil die richtigen Akteure bzw. Strategien finden, um elektrisch mobil zu werden. Ausdrückliche Unterstützung gibt es dafür von der Bürgermeisterin Christine Freier, die das Car-Sharing als wichtigen Beitrag für die Umsetzung des Energiekonzeptes einschätzte. Genaue Uhrzeit und Ort der Zusammenkunft werden noch ausgemacht und dann über das Mitteilungsblatt und den Newsletter bekannt gegeben.

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In Füßbach war anfangs die Skepsis im Dorf noch groß, ob Elektroautos überhaupt funktionieren und schon praxisreif sind: „Da haben wir mal einen Tag lang Autos zum Testen hierher gestellt. Und dieser Tag war auch das Schlüsselerlebnis. Die Leute haben gesehen: Das sind vollwertige Autos und auch noch schick dazu“, verriet Herr Karle rückblickend als ausschlaggebenden Umsetzungstipp. Um den Einstieg in die Elektromobilität zu erleichtern und gleichzeitig das finanzielle Risiko zu minimieren, wurde hier Anfang 2016 ein gemeinnütziger Verein gegründet und mit zwei E-Ups von VW begonnen, die von dem Mobiltätsanbieter „Lautlos“ inklusive Full-Service gemietet und Vollkasko versichert sind. Aktuell sind sechs Einzelpersonen und fünf Familien fahrberechtigt, die somit nun ihren Zweitwagen in der Garage stehen lassen oder verkaufen können. Auch zwei Firmen, der Metall- und der Bioenergiebetrieb machen mit, nutzen die Autos u.a. für Kundenbesuche in der Region und fungieren als Standorte der Elektroautos, erläuterte Herr Müller. So haben es die Mitglieder nicht weit zu den Autos, die weiteste Entfernung beträgt geschätzt 200 Meter.

Für die Mitglieder teilt sich der finanzielle Aufwand in einen monatlichen Grundbetrag, der etwa die Hälfte der Mietkosten für die Firma „Lautlos“ deckt, und einen Leistungsbetrag. Der Grundbetrag ist nach Einzelpersonen (18 Euro), Ehepaaren (30 Euro) oder Firmen (90 Euro) gestaffelt. Der Leistungsbetrag ist die eigentliche Nutzungsgebühr und wird nicht wie üblich nach Kilometern, sondern nach den gemieteten und gefahrenen Stunden abgerechnet. Eine Stunde kostet vier Euro, ein halber Tag elf Euro, ein Tag 18 Euro und der Abend ab 19 Uhr acht Euro.

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Wer ein Auto in Füßbach ausleihen will, muss es zuvor per Telefon oder direkt auf der Internetseite des Projektes buchen. Damit das System funktioniert und die Mobilität auch gewährleistet ist, muss man mindestens zwei Autos zur Verfügung stellen, machte Herr Karle deutlich. Im Durchschnitt wird jeden Tag ein Auto genutzt, führte er weiter aus. Damit arbeitet der Verein schon fast kostendeckend. Bei normaler Fahrweise kommt man mit dem E-UP in der Regel 120 Kilometer weit, was für kurze Strecken vollkommen ausreichend sei. Das Stromtanken wird übrigens nicht berechnet, sondern von den beiden Firmen gesponsert. Das sei durchaus vertretbar, sagte Herr Müller, denn eine Tankfüllung kostet zur Zeit nur etwa vier Euro.

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Der Strom für die E-Autos stammt aus dem Dorf selbst, von Thomas Karles Biogasanlage. Allerdings gilt das nur „bilanziell“, weil die eingesetzten Autos über die normale 230 Volt-Steckdose mit Ökostrom (Naturstrom) aufgeladen werden, was aber eigentlich nicht als Nachteil anzusehen ist, vertrat Herr Karle die Meinung. Schließlich speise seine Biogasanalage wesentlich mehr Strom ins Netz ein, als die 84 Einwohner von Füßbach jemals nutzen könnten. Technische Weiterentwicklungen wie das bidirektionale Laden, bei dem neue Elektroauto-Modelle wie z.B. von Mitsubishi oder Nissan in das Stromnetz eingebunden und als Stromspeicher genutzt werden können, wurden in Füßbach zunächst nicht favorisiert, können aber bei der Weiterentwicklung in den nächsten Jahren in Frage kommen. Dann sollen auch eigene Autos zum Einsatz kommen.

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Eine wichtige Rolle spielt in Füßbach, dass es eine „coole“ Dorfgemeinschaft ist. Denn solch ein neues Projekt schweiße die Einwohner zusammen, machte Herr Karle als übergreifenden Gedanken deutlich und sorgt auch dafür, dass mit den Autos pfleglich umgegangen wird und auf spezielle Regeln (Reinigung) verzichtet werden kann. Gute Erfahrungen habe man bereits mit der Dorfsanierung und dem Aufbau eines Nahwärmenetzes gemacht. 2011 war Füßbach das erste Bioenergiedorf Nordwürttembergs, das sich zu über 80 Prozent mit eigenem erneuerbaren Strom und Wärme versorgen konnte.

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